Samstag, 13. Mai 2017

Rendezvous mit dem Tod



Thomas Hohensee, Renate Georgy: Der Tod ist besser als sein Ruf. Von einem gelassenen Umgang mit der eigenen Endlichkeit.
224 Seiten, 24.- €. Benevento
Ist es makaber, von einem Buch über den Tod begeistert zu sein? Keineswegs, denn dieses enthält das Wirkungsvollste und Positivste, was ich bisher zu dem Thema gelesen habe - und das war schon einiges, von Kübler-Ross bis zum Tibetanischen Totenbuch. Während mich frühere Lektüre eher deprimiert zurückließ, war es diesmal ganz anders: Ich fühlte mich anschließend entspannt und furchtlos. Grund war die überzeugend vermittelte Erkenntnis: Nicht der Tod an sich ist das Problem, sondern welche Bedeutung wir ihm geben. Entscheidend ist, wie man über den Tod und das Leben denkt. Damit sind wir aus der passiven Opferrolle heraus. Es liegt in unserer Hand bzw. in unserem Kopf, ob wir uns mit negativen Erwartungen quälen oder ob wir dem unausweichlichen Ende gelassen entgegen sehen. Dazu enthält das Buch viele kluge und interessante Betrachtungen aus dem Bereich der Wissenschaft, Medizin, Mystik und Philosophie. Wobei an keiner Stelle der Anspruch erhoben wird, eine ultimative Wahrheit zu verkünden. Man bekommt vielmehr das Angebot, selbst nachzudenken und auf diese Weise viel Freiheit für eigene Schlussfolgerungen. Dabei geht es nicht nur um den Tod, sondern ebenso um das Leben. Wir sind auf der Welt, um Erfahrungen zu machen, zu lernen, zu wachsen und Spaß zu haben. Ob es ein Leben nach dem Tod gibt, ist Glaubenssache, aber ein Leben davor sollte voller Freude und Erfüllung sein. Dann gibt es auf dem Sterbebett nichts zu bereuen.
Ein großartiges, inspirierendes Buch. Zielgruppe: Jede(r), denn schließlich müssen wir alle sterben.  

Kommentare:

  1. .... und wir erhalten von niemandem eine Rückmeldung, wie der Tod so ist. Ganz so schlimm kann es nicht sein, sonst wären ja andere wieder zurückgekommen ;-)! Diese Bemerkung ist auch makaber. Es gibt die Menschen mit Nahtod-Erfahrung. Thomas Hohensee liest sich sehr gut, wie ich meine. Danke für diesen Buchtipp, Frau Dr. Wlodarek.

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    2. Ja, der Tod wird in unserer Gesellschaft gerne verdrängt. Umso wichtiger ist, dass wir Informationen bekommen, die unsere (ganz natürliche!) Angst nicht noch steigern, sondern mindern.

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    3. Wir sollten uns unserer Endlichkeit bewusst sein und sie akzeptieren. Das Leben ist ein Geschenk und unsere Ressourcen sind in jeder Hinsicht begrenzt. Es fehlt oft an Respekt für Mensch, Tier und Natur. Schade, dass dies im Laufe des Lebens von vielen Menschen verdrängt wird. Zum Glück gibt es die vielen engagierten und couragierten Menschen.

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