Sonntag, 23. Juli 2017

Es brennt!

Anja Förster & Peter Kreuz: Zündstoff für Andersdenker. 173 Seiten. 24,90 €. Murmann Verlag

Wenn wir ein Streichholz anzünden, gibt es zwei Möglichkeiten: Wir blasen es aus, bevor wir uns die Finger verbrennen – oder wir zünden damit eine Kerze oder den Grill an und haben lange etwas davon. Das ist unsere Wahl. Das Buch von Förster und Kreuz steckt jedenfalls voll  mentalem Zündstoff, von dem wir uns entweder kurzfristig inspirieren lassen oder den wir als Anstoß für eine dauerhafte Veränderung nehmen können. Themen sind unter anderem Initiative, Kreativität, Engagement, Authentizität, Teamwork, Fantasie, Mitarbeiterführung – so ziemlich alles, was in der Wirtschaft von Bedeutung ist. Jedes Kapitel steht für  sich und beleuchtet auf 2, 3 Seiten einen Aspekt. Dazu steigt das Autorenpaar jeweils mit einer ungewöhnlichen Story ein, wie wir sie aus ihren Blogs, Kolumnen und Newsletters kennen. Etwa die von Ella Fitzgerald. Als sie bei einem Auftritt den Songtext vergessen hatte, improvisierte sie erfolgreich – hier ein Beispiel für den Wert von flexiblen, individuellen Reaktionen, und ein Lob der Unvollkommenheit.
Insgesamt viel Anregung zum Quer- und Selberdenken, im gewohnt lässigen und gleichzeitig präzisen Förster-Kreuz-Sprech.
Der Zündstoff ist in einer attraktiven Box verpackt: Großzügiges Layout und viele farbige grafische Illustrationen (sinnig: alle in gelb-rot wie Feuer).
Streichhölzer? Für manche vermutlich ein Molotowcocktail.       

Dienstag, 18. Juli 2017

Bestes Handwerkszeug zum Bloggen

Markus Cerenak: Erfolgsfaktor Bloggen. 259 Seiten. 22,90 €. Gabal Verlag

Mit Lust und Leidenschaft fülle ich diesen Rezensionsblog und auch den Blog „Eva Wlodarek schreibt“ (http://wlodarek.blogspot.de/), in dem ich allerlei rund um die Psychologie betrachte. So ist es kein Wunder, dass mich das Thema von Cerenaks Buch interessierte. Gewiss geht das auch vielen anderen so, die schon einen Blog betreiben oder es vorhaben, weil sie sich gerne mitteilen. Der Autor verspricht, alles zu liefern, was man braucht, um einen Blog zu starten oder einen bestehenden noch erfolgreicher zu machen. Dieses Versprechen hält er zu 100 Prozent. Er informiert nicht nur über methodische Details, sondern geht grundlegenden Fragen nach: Warum blogge ich? Was will ich vermitteln? Wie erreiche ich meine LeserInnen? Welche Fehler kann ich vermeiden? Dabei schreibt er so verständlich und locker, dass auch diejenigen, die (wie ich!) in puncto Technik eher scheu sind, mit Sicherheit alles bestens nachvollziehen können. Und damit es nicht nur bei der Theorie bleibt, gibt es nach jedem Kapitel konkrete Aufgaben, die Anfänger und Profis weiterbringen. 
Das Buch hat mich begeistert und mir viele Aha-Erlebnisse beschert. Eine wahre Bibel für Blogger und solche, die es jetzt endlich werden wollen. Ganz nebenbei enthält es auch wertvolle Hinweise für alle, die Artikel oder Bücher schreiben.
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Samstag, 15. Juli 2017

Rück- und Vorschau

Michael Jürgs: Gestern waren wir noch jung. Eine Liebeserklärung an aufregende Zeiten. 343 Seiten. 19,99 €. C.Bertelsmann.

Ich habe Michael Jürgs noch als jungen Mann kennengelernt - er saß im berühmten „Affenfelsen“ von Gruner & Jahr beim "Stern", ich bei der „Brigitte“. Tempi passati. Jetzt  hat er also mit 72 Jahren ein Buch über die alten Zeiten  geschrieben. Am Anfang bringt er auch tatsächlich eine Rückschau auf die Sixties und Seventies: Die APO, Studentenrevolten, die Beatles, Willy Brandt. Doch dann ist auch Schluss mit allgemein teilbaren Erinnerungen. Ab da geht es vor allem um die Veränderung im Journalismus. Jürgs schlägt ausführlich den Bogen von der analogen zur digitalen Welt und mischt dabei persönliche Erfahrungen in der Medienlandschaft mit profunden Kenntnissen, wie sie sich seit damals verändert hat. Das tut er mit einer sehr gekonnten Sprache, er ist halt Profi.
Das Buch ist interessant und informativ, ich habe es gerne gelesen. Allerdings bin ich etwas ratlos, welcher Zielgruppe ich es empfehlen soll. Für Nostalgiker ist es jedenfalls nicht so recht geeignet, die werden enttäuscht sein. Eigentlich ist es für diejenigen, die den Übergang vom analogen ins digitale Zeitalter mit dem Schwerpunkt „Medien“ nachvollziehen möchten.    

Donnerstag, 15. Juni 2017

Ganz schön farbig!



Haruki Murakami: Die Pilgerreise des farblosen Herrn Tazaki. 318 Seiten. 22,99 € . Dumont
Dieses Buch ist nicht das erste, das ich von dem japanischen Schriftsteller Murakami in die Hand bekommen habe. Ich habe „Gefährliche Geliebte“ und „Kafka am Strand“ gelesen und in „Von Beruf Schriftsteller“ einen Blick hinter die Kulissen seines Schreibens geworfen. Der Autor schafft es immer wieder, mit einer geheimnisvollen Mischung aus Realität und Traum eine faszinierende Atmosphäre zu kreieren. So auch in der „Pilgerreise“.
Der junge Tsukuru Tazaki ist Teil einer eingeschworenen Gruppe von fünf Freunden, die außer ihm alle eine Farbe in ihrem Namen tragen. Auch im übertragenen Sinne empfindet er sich als farblos, denn anders als seine Freunde hat er keine besonderen Fähigkeiten oder Vorlieben - bis auf sein spezielles Interesse für Bahnhöfe. Als er nach dem Schulabschluss die gemeinsame Heimatstadt Nagoya verlässt, um in Tokio ein Ingenieurstudium zu beginnen, bleibt die enge Freundschaft zunächst erhalten. Doch bei einem Besuch zuhause schneiden ihn seine Freunde plötzlich und verweigern jede Erklärung über den Grund. Verzweifelt kehrt Tsukuru nach Tokio zurück, vor Kummer dem Selbstmord nahe. Viele Jahre später offenbart der inzwischen 36-jährige seiner neuen Freundin Sara, dass er immer noch unter dieser unerklärlichen Abweisung seiner Jugendfreunde leidet. Sara ermutigt ihn, sie einzeln aufzusuchen und der Geschichte auf den Grund zu gehen, nur so könne er sich von den Schatten seiner Vergangenheit befreien und für eine Liebe offen werden. Tsukuru befolgt ihren Rat und macht eine Art Pilgerreise zu seinen alten Freunden. Was er dabei erfährt,will ich hier nicht verraten, damit die Spannung erhalten bleibt.
Murakamis Sprache ist einfach, klar und nicht besonders poetisch. Manche Stellen des Romans wirken, als wären sie vom Absolventen eines Schreibkurses verfasst worden, der brav die Anweisung befolgt, längere Dialoge mit Beschreibungen zu unterbrechen („Der Kellner stellte das Zitronensoufflé und den Espresso auf den Tisch. Sara aß mit Genuss. Offenbar hatte sie doch die richtige Wahl getroffen“.). Aber das sind nur Kleinigkeiten, über die ich als ehemalige Germanistin gestolpert bin. Die Magie dieses Buches entsteht nicht durch die Sprache, sondern durch den Inhalt, durch das Innenleben und die Erfahrung des Protagonisten. Das ist so spannend, dass ich das Buch an einem Wochenende ausgelesen habe.     


Samstag, 3. Juni 2017

Hundert Jahre Lebensfreude



Francesc  Miralles, Héctor Garcia: “Ikigai. Gesund und glücklich hundert werden“. 224 Seiten. Ullstein  17.- €,
Ganz ehrlich, bisher zählte es nicht zu meinen erklärten Wunschzielen, hundert Jahre alt zu werden. Verbindet man das doch meist mit vielen unangenehmen Einschränkungen. Die Autoren Francesc Miralles und Héctor Garcia setzen eine andere Sichtweise dagegen: Wenn wir unser „Ikigai“ – übersetzt etwa „Sinn des Lebens“ - finden, haben wir die Chance, bis ins hohe Alter ein gesundes und erfülltes Dasein zu führen. Dazu haben sie Bewohner der japanischen Insel Okinawa besucht, die auch als „Insel der Hundertjährigen“ bekannt ist. Die alten Menschen dort sind vital und glücklich. Ihr Geheimnis besteht darin, dass sie sich sehr gesund ernähren, sich regelmäßig bewegen, eine Aufgabe haben, die sie lieben und  gute soziale Beziehungen pflegen. Auf diese Weise zufrieden uralt zu werden, ist jedoch nicht die einzige Methode. Die die Autoren sprechen auch noch andere Aspekte an, wie das Glück im „Flow“, dem zeitlosen Zustand höchster Konzentration, oder das Bemühen, auch in negativen Ereignissen einen Sinn zu finden, wie es Viktor Frankl in seiner Logotherapie beschreibt.
Insgesamt bietet das Buch ein Puzzle zum Thema „Wie man ein glückliches langes Leben erreicht“.
Leider ist es mir nicht vergönnt, im Dorf Ogimi auf Okinawa meinen Garten zu bestellen und tagsüber entspannt mit den Dorfbewohnern zu plaudern. Ich lebe in einer Großstadt.und bin berufstätig. Für mich wie wohl für die meisten LeserInnen erfordert es deshalb schon einige Überlegungen, wie sich die guten Tipps fürs Ikigai auf die eigene Situation übertragen lassen. Doch  Anregung für ein glückliches langes Leben gibt das Buch allemal. Vielleicht klappt es dann ja auch mit den aktiven Hundert.  

Mittwoch, 24. Mai 2017

Reiselust



Nicoletta Adams, Ottmar Heinze: Reiseführer Holsteinische Schweiz. Herrenhäuser, Hügellandschaften und 200 Seen. 136 Seiten. 9,95 €. Koehler
Ich oute mich hier als Liebhaberin der Holsteinischen Schweiz. Gerne segle ich auf dem Plöner See, schlendere durch das hübsche Städtchen Plön oder bin bei der Gartenmesse auf Gut Stocksee dabei. Als Expertin für die Gegend würde ich mich trotzdem nicht bezeichnen, denn es gibt immer noch vieles, das ich aus ferienhafter Bequemlichkeit bisher nicht gesehen habe. 
Doch dazu gibt es ja jetzt diesen inspirierenden Reiseführer. Er enthält gut übersichtlich jede Menge Tipps und Anregungen für Ausflüge in idyllische Orte mit Schlössern, Museen und Galerien. Zudem erfährt man Interessantes zu der Historie der beschriebenen Gegend. Schließlich gilt: Je mehr man weiß, desto mehr kann man genießen. Adressen für Übernachtung, Essengehen und Einkaufen sowie gut beschriebene Routen für Spaziergänge machen das Buch zu einem lohnenswerten Reisebegleiter. Bei meinem nächsten Aufenthalt in der Holsteinischen Schweiz ist es jedenfalls dabei. 
Und wer diese wunderschöne Landschaft noch nicht kennt, kann sich mit den vielen Farbfotos und den offiziellen und geheimen Tipps schon mal einstimmen. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns dann demnächst zufällig im Eutiner Schlossgarten oder im Heimatmuseums von Malente.

Samstag, 20. Mai 2017

Gut verlinkt



Michael Rajiv Shah: Karrierebeschleunigung mit LinkedIn: 191 Seiten. 7,95 € . Stark Verlag.
Real, digital, egal? Von wegen. Inzwischen kommt man kaum noch umhin, sich als berufstätiger Mensch auch in digitalen Netzwerken wie XING oder LinkedIn zu bewegen. Für Non-Digital Natives wie mich, mehr sprach- als technisch begabt, ist der Einstieg allerdings nicht so einfach. Aber wir sind ja lernfähig. Und mit dieser Anleitung geht das wunderbar. Das Buch im Pocketformat enthält alles, was man wissen muss. Der Autor vergleicht die Funktionen der wichtigsten Netzwerke, gibt Hinweise zur Erstellung eines persönlichen Profils  und erläutert Strategien, wie man das Netzwerk entsprechend der eigenen Ziele nutzt. Im letzten Kapitel „Systematisch Fachleute fragen“ gibt es noch wertvolle Hinweise im Detail.
Ein inhaltlich und grafisch klar gegliedertes kleines Buch. Das alles enthält, was man zum Thema wissen muss, um in Eigenregie einzusteigen. Sehr empfehlenswert.

Und wo ich schon mal dabei bin: Hier auch noch ein Buchtipp für junge Berufseinsteiger:

Ute Blindert: Per Netzwerk zum Job. Insider zeigen, wie du deine Träume verwirklichen kannst. 203 Seiten. 17,90 €. Campus
Ute Blinderts Buch ist eine Anleitung für junge Berufseinsteiger, digitale soziale Netzwerke für die Jobsuche zu nutzen. Es gibt  praktische Tipps in den Kapiteln „Kommunikation ist alles“, „Gesucht: Richtig gute Leute“, „Profil zeigen“, „Netzwerken im richtigen Leben“ und „Da geht noch was: Selbstmarketing“. Der Inhalt ist grafisch lässig-locker aufbereitet, halt für junge Leute.